Unerwartete Grenze für die Flugrettung

Die Bergrettung ergänzt und finalisiert eine Rettungsaktion am Hafelekar, hoch über Innsbruck.

Einsatzleiter erhalten eine Mitteilung der LT, sobald eine Rettungsaktion mittels Notarzthub-schrauber in ihrem Gebiet stattfindet. An einem Mittwoch im heurigen August (2013) erhielt ich so eine Mitteilung, dass am Hafelekar der NAH eine Bergung durchführt. Dabei war ich gerade mit dem Auto in der Stadt unterwegs. Ein Blick auf die Nordkette zeigte eine sinkende Wolken- und Nebelwalze. Ein paar Minuten später dachte ich mir: Bei fast eingenebeltem Hafelekar, da könnte sich der Hubschraubereinsatz eventuell nicht mehr ausgehen. Ich erkundigte mich bei der LT über den Stand der Dinge und, ob die BRI eventuell in Einsatzbereitschaft gehen sollte. Der Disponent verneinte, bedankte sich und teilte gleichzeitig mit, dass der C 1 gerade die Taubergung auf der Seegrube vorbereitet. Etwas später, als ich gerade in meiner Garage einparken wollte, meldete sich plötzlich die Leitstelle. Die Hubschrauberbergung am Hafelekar musste abgebrochen werden, weil der Patient, trotz gutem Zureden des Notarztes, sowohl den Tauflug, als auch das Einsteigen in den abgestützten Helikopter, aus panischer Höhenangst verweigert hatte.

In der Folge erklärte ich, sofort in die Ortsstelle einzurücken, mich in Kürze über das weitere Vorgehen zu melden und, dass die LT den Einsatz per SMS starten soll. Während der Anfahrt wurde sodann vereinbart, dass der C1 zur Berufsfeuerwehr fliegen, dort 3 BR-Männer aufnehmen und diese zum Hafelekar shutteln soll. Wie gesagt so getan, die ersten zwei Kameraden, die sich gemeldet hatten, wurden zum Einsatz gebeten, weitere wurden dankend abgelehnt. Nach kurzer Bestückung mit Funk und diversem Einsatzmaterial, begab sich die kleine Mannschaft zur Feuerwehr, die über mein Ersuchen von der LT über die bevorstehende Helikopter-Landung informiert wurde.
Der C 1 wurde am Landeplatz der Feuerwehr Innsbruck eingewiesen und innerhalb von 3 Minuten (statt ca. 45 Minuten per Auto und NKB) wurde der Einsatzort, ca. 150m unterhalb der Bergstation am Hafelekar, erreicht. Nur auf einer Seite konnte der Pilot den Helikopter mit der Kuve aufstützen, um uns ins felsige Gelände aussteigen zu lassen und anschließend wieder ins Tal abzufliegen.

Sogleich nahmen wir uns des Patienten an, der kaum Englisch und sonst nur französischen Dialekt sprach. Gleich wie den Heli-Flug, verweigerte er auch ein Verbinden seiner Kniewunde. Im Vordergrund bestand bei diesem Patienten eine massive Höhenangst sowie ein psychischer Ausnahmezustand.
Mit gutem Zureden und durch gestikulieren, konnten wir den Patienten zum Abstieg bewegen. Ein Bergretter ging knapp hinter dem Patienten, sodass er ihn im Stolperfalle zurückhalten konnte und der zweite ging vor ihm, teilweise sogar im Rückwärtsgang, um ihn jederzeit bei Gefahr im Auge zu behalten. Bei kritischeren Stellen wollte man dem Patienten die helfende Hand darreichen, was er aber wiederum ablehnte. Von der Seegrube kam uns ein weiterer Kamerad zur Unterstützung entgegen, der mit der NKB aufgefahren war. Im Schneckentempo bewegten wir uns in Richtung Seegrube. Ein einziges Mal ließ er sich doch helfen, als er wieder ausrutschte. Endlich bei der Seegrube angelangt, bestiegen wir die Gondel. In der Gondel befiel den Patienten wieder die Höhenangst, sobald sich die Gondel in Bewegung setzte und er den Abgrund sah. Ich brachte ihn sodann dazu, nur eine Person oder mich in der Gondel anzuschauen und nicht hinaus bzw. hinunter zu blicken.
Auf der Hungerburg angelangt, wurde der Patient noch zur Aufnahme der Personalien zur Alpinpolizei begleitet und dann unsererseits entlassen. Die Polizei organisierte ein Taxi für die Heimfahrt des Patienten.

Diese eher seltene Art von Begebenheit, zeigt doch deutlich, dass die Grenzen der Hubschrauberbergung im alpinen Gelände nicht nur wetterbedingt, sondern auch aus völlig unerwarteten Gründen, jederzeit erreicht werden können. Aber auch für die, für unser Wirken noch wichtigere Tatsache, dem klaglosen Funktionieren der Zusammenarbeit von Flugrettung und Bodenmannschaft, bei Bergungen die vom Helikopter nicht erledigt werden können, gibt dieser Vorfall ein leuchtendes Beispiel.

Peter Mazzalai (EL ÖBRD Ortsstelle Innsbruck)